Du kennst sicher jemanden, der etwas kann, das dir fehlt. Eine Kollegin, die in Konfliktgesprächen ruhig bleibt. Einen Verwandten, der eine Selbstverständlichkeit ausstrahlt, die du dir wünschen würdest. Eine Führungskraft, die ohne Druck Respekt erntet.
Vielleicht hast du schon versucht, dir bei diesem Menschen etwas abzuschauen. Du hast die Worte übernommen. Die Gestik nachgemacht. Die Kleidung kopiert. Und gemerkt: Es wirkt aufgesetzt. Du wirst eine schlechte Kopie. Und das ist enorm frustrierend, weil du spürst, dass es da etwas gibt, das du eigentlich gut könntest – aber du kommst nicht dran.
Im NLP gibt es dafür ein eigenes Werkzeug, und es heißt Modelling. Es geht nicht um Kopieren. Es geht darum, die innere Strategie eines Menschen zu dekodieren – die Abfolge an Bildern, Tönen und Empfindungen, mit der dein Vorbild zu seinem Verhalten kommt. Wenn du diese Strategie verstanden hast, bekommst du nicht eine schlechte Kopie. Du bekommst eine echte Fähigkeit.
„Talente kann man lernen. Was du brauchst, ist nicht ein Genie-Gen, sondern ein gutes Modell und Aufmerksamkeit für die inneren Prozesse.“
– Robert Dilts, NLP-Trainer und Pionier der Modelling-ForschungIn diesem Artikel zeige ich dir, was Modelling wirklich ist, wo der Unterschied zur reinen Imitation liegt – und wie du in 9 Schritten selbst eine Fähigkeit von einem Vorbild übernehmen kannst.
Was ist Modelling – und was es nicht ist
Der Begriff Modelling kommt aus den Anfangstagen des NLP. Die beiden Begründer, Richard Bandler und John Grinder, hatten eine einfache Frage: Was tun erfolgreiche Therapeuten anders, dass sie so gute Ergebnisse erzielen? Sie haben drei Pioniere ihrer Zeit beobachtet – Virginia Satir, Fritz Perls und Milton Erickson – und versucht, deren innere Vorgehensweise zu rekonstruieren. Aus dieser Forschung entstand das ganze NLP.
Modelling ist also nicht irgendeine Technik unter vielen, sondern der Kern dessen, was NLP überhaupt ist. Die Grundannahme: Hinter jeder Exzellenz steckt eine wiederholbare Strategie. Wenn du diese Strategie verstehst, kannst du sie weitergeben – egal ob es um Verkaufen, Verhandeln, schnelles Lesen, ruhig Bleiben unter Druck oder kreatives Denken geht.
Wichtig: Modelling ist kein oberflächliches Nachmachen. Es ist auch keine Hypnose oder Manipulation. Es ist eine präzise Beobachtung der inneren Choreografie eines Menschen – und die Bereitschaft, sie testweise selbst zu probieren.
Imitation gegen Modelling – warum der Unterschied alles ist
Stell dir vor, du bewunderst einen Menschen, der in einer Verhandlung freundlich, aber bestimmt auftritt. Wenn du ihn imitierst, übernimmst du:
- seine Worte („Lass uns mal kurz nachschauen, ob das für alle passt“)
- seine Gestik (Hand auf den Tisch, Blickkontakt halten)
- vielleicht seine Kleidung oder Tonlage
Das wirkt am Anfang interessant. Aber bei der ersten echten Konfrontation merken alle Beteiligten: Hier kommt die Form ohne den Inhalt. Du wirkst aufgesetzt. Vielleicht peinlich. Im schlimmsten Fall schwächst du dich selbst, weil du nicht mehr aus dir heraus reagierst, sondern aus einer Rolle.
Wenn du dasselbe Vorbild dagegen modellst, fragst du:
- Was sieht dieser Mensch innerlich, wenn er in die Verhandlung geht?
- Was hört er innerlich? Welche Stimme führt ihn?
- Was spürt er im Körper? Wie atmet er?
- Welche Reihenfolge haben diese inneren Schritte?
Wenn du diese innere Choreografie kennst, übernimmst du nicht ein Verhalten – du übernimmst eine Strategie. Und die kannst du dann mit deinen eigenen Worten, deiner eigenen Stimme, deiner eigenen Art ausfüllen. Das wirkt nicht wie eine Maske – das wirkt wie du, nur freier.
Das Humphrey-Bogart-Beispiel: Eine echte Geschichte
Im Handbuch des NLP wird ein Beispiel erzählt, das ich gerne weitergebe. Ein Diplom-Ingenieur wird zur Führungskraft befördert. Fachlich ist er hervorragend – aber im Auftritt unsicher. Er spricht zu leise, weicht Blicken aus, wirkt im Meeting unsichtbar. Sein Coach fragt ihn: „Wer wäre ein Vorbild für ruhige, natürliche Autorität für dich?“ Er antwortet ohne zu zögern: Humphrey Bogart.
Der Coach lässt ihn beobachten, was Bogart in seinen Filmen macht. Konkret. Nicht: „Bogart ist cool.“ Sondern: Was siehst du genau?
- Bogart spricht selten zuerst. Er beobachtet erst.
- Wenn er spricht, sind seine Augen leicht zusammengekniffen.
- Er lehnt sich oft an etwas an – Tisch, Tresen, Türrahmen.
- Er hat einen ausgeprägten Standbein-Spielbein-Wechsel.
- Seine Stimme ist nicht laut, aber tief und ruhig.
Der Klient hat das vor dem Spiegel geübt. Nicht um Bogart zu spielen. Sondern um die innere Erfahrung nachzubauen, die zu diesen Verhaltensweisen führt. Was passiert, wenn du leicht die Augen zusammenkneifst? Du beruhigst dich. Was passiert, wenn du dich anlehnst? Du wirkst nicht angespannt. Was passiert, wenn du erst einmal beobachtest, bevor du sprichst? Du sprichst präziser.
Drei Monate später berichten Kollegen: „Da hat sich was verändert. Der hat jetzt eine Präsenz.“ Der Klient selbst sagt: „Ich bin nicht Bogart. Aber ich habe in mir etwas wachgemacht, das vorher schlief.“
Master-Modelling: Die 9 Schritte
Jetzt zur Praxis. Du kannst Modelling für jede Fähigkeit nutzen, die du an einem konkreten Vorbild beobachten kannst. Diese Anleitung folgt der Master-Modelling-Variante aus den NLP-Handbüchern. Sie braucht etwa 30 Minuten Zeit und ein bisschen Ruhe.
Identifiziere die Situation
Welche konkrete Situation in deinem Leben möchtest du anders meistern? Sei spezifisch. Nicht „ich will souveräner werden“, sondern: „Ich will im Quartalsmeeting freundlich aber bestimmt einen Vorschlag durchsetzen, an den ich glaube.“
Benenne die fehlende Ressource
Welche Fähigkeit oder welche Befindlichkeit hättest du gern in dieser Situation? Auch hier: konkret. Vielleicht „ruhige Klarheit“, „freundliche Härte“, „humorvolle Gelassenheit“.
Wähle ein Vorbild
Wer hat genau diese Fähigkeit? Eine echte Person aus deinem Umfeld, eine öffentlich bekannte Persönlichkeit, eine Filmfigur. Wichtig ist: Du kannst dir eine Szene vorstellen, in der dein Vorbild diese Fähigkeit zeigt.
Beobachte aus der Distanz
Stell dir dein Vorbild lebhaft vor – aber zunächst von außen. Wie steht es da? Wie atmet es? Welchen Gesichtsausdruck hat es? Welche Bewegung macht es? Geh innerlich um es herum. Schau es von vorn, von der Seite, von hinten an. Diese Phase ist wichtig: Du sammelst Informationen, ohne dich schon einzulassen.
Schlüpf hinein
Stell dir vor, du gehst hinter dein Vorbild und schlüpfst von hinten in sein Erleben. Du siehst durch seine Augen, hörst durch seine Ohren, spürst seinen Körper.
Innenwahrnehmung erforschen
- Was sieht dein Vorbild gerade in der Situation?
- Was hört es – außen und innen?
- Wie ist sein Körpergefühl? Atmung? Spannung?
- Gibt es einen Geruch oder Geschmack, der mitschwingt?
- Was sagt es sich innerlich, falls es einen inneren Dialog hat?
Finde ein bis zwei markante Anker
Aus all dem, was du jetzt erlebst, wähle ein oder zwei Wahrnehmungen, die dich besonders treffen. Vielleicht ist es das tiefe Atmen. Vielleicht das leichte Lächeln. Vielleicht die ruhige innere Stimme. Diese Anker sind dein Mitbringsel – mehr brauchst du nicht.
Wenn du das Konzept „Anker“ vertiefen willst, lies dazu auch die Anker-Technik im NLP.
Löse dich vom Vorbild
Steige bewusst aus dem Vorbild aus – nimm die Anker mit, lass die Person dort, wo sie ist. Das ist wichtig: Du willst nicht dein Vorbild werden. Du willst du selbst werden, nur mit der zusätzlichen Fähigkeit.
Teste in deiner Situation
Gehe jetzt innerlich in die Ausgangs-Situation aus Schritt 1 zurück – aber diesmal mit deinen Ankern. Aktiviere sie. Wie fühlt sich die Situation jetzt an? Welche Optionen siehst du, die du vorher nicht gesehen hast? Was sagst du? Wie atmet es sich?
Übe vor dem Spiegel
Klingt banal, ist aber Gold wert. Stell dich vor einen Spiegel und probier die neue Haltung körperlich aus. Sprich einen Satz aus, den du brauchen wirst. Du wirst sofort sehen, was sich natürlich anfühlt – und was noch eine Maske ist.
Das T.O.T.E.-Modell: Wie dein Gehirn Strategien ausführt
Hinter Modelling steht ein einfaches kybernetisches Modell, das Robert Dilts und seine Kollegen aus der NLP-Forschung übernommen haben: das T.O.T.E.-Modell. Vier Buchstaben, die beschreiben, wie eine innere Strategie abläuft.
- T – Test: Du prüfst, ob du dein Ziel schon erreicht hast. („Ist die Person ruhig genug, dass ich meinen Punkt machen kann?“)
- O – Operate: Wenn nicht, tust du etwas. („Ich atme tief durch und lächle.“)
- T – Test: Du prüfst noch einmal. („Wirkt es?“)
- E – Exit: Wenn ja, gehst du raus aus der Schleife und zur nächsten Sache über.
Das mag mechanisch klingen, ist aber genau die Schleife, die unser Gehirn ständig macht – meistens unbewusst. Beim Modelling versuchst du, die T.O.T.E.-Schleife deines Vorbilds zu rekonstruieren: Was checkt es zuerst? Was tut es dann? Worauf testet es noch einmal? Wann weiß es, dass es fertig ist?
Beispiel: Eine geduldige Mutter im Streit mit ihrem Teenager. Test: Sieht das Kind angespannt aus? → Operate: Ruhige Stimme, Augenhöhe. → Test: Wird es weicher? → Wenn ja: Exit. Wenn nicht: erneut Operate, vielleicht mit Pause oder Körperkontakt.
Die Sprache der inneren Strategie: V, A und K
Wenn du tiefer einsteigst, wirst du im NLP auf eine Notation stoßen, die zunächst kompliziert aussieht, aber sehr nützlich ist. Die wichtigsten Kürzel:
- Ve – visuell erinnert (du siehst ein Bild aus deiner Erinnerung)
- Vk – visuell konstruiert (du erfindest ein Bild)
- Ae – auditiv erinnert (du hörst eine Erinnerung)
- Ak – auditiv konstruiert (du erfindest einen Klang)
- Ad – auditiv-digital, der innere Dialog
- K – kinästhetisch, Körperempfindung
Eine Strategie ist eine Reihenfolge dieser Modalitäten. Walt Disneys berühmte Träumer-Realist-Kritiker-Strategie ist zum Beispiel grob: Vk (Träumer erfindet das Bild) → K (Realist spürt, ob es trägt) → Ve (Kritiker checkt im Vergleich mit Erfahrung).
Du musst diese Notation nicht beherrschen, um Modelling zu nutzen. Aber wenn du sie kennst, wirst du in Gesprächen mit deinem Vorbild ganz andere Fragen stellen: nicht „Was machst du?“, sondern „Was siehst, hörst, spürst du innerlich, kurz bevor du das tust?“
Drei klassische Modelling-Ziele
1. Schnelles, fokussiertes Lesen
Eine Klientin von mir liest etwa fünfmal so schnell wie der Durchschnitt – und versteht trotzdem mehr. Ihre Strategie: Ve (Auge selektiert nur die wichtigsten Wörter) → K (spürt, ob die Aussage zum Ziel passt) → Ad (kurze innere Bestätigung). Wer das übernimmt, wird kein Schnell-Lese-Wunder – aber lässt sich nicht mehr im Detail verlieren.
2. Geduld mit anderen Menschen
Ein Klient war notorisch ungeduldig im Gespräch. Ein Vorbild war für ihn ein erfahrener Therapeut. Dessen Strategie: Ve (er sieht das Gesicht des Gegenübers genau) → K (er spürt die Spannung im eigenen Körper) → Ad (er sagt sich innerlich: „Erst zuhören, dann antworten“) → Atem → Antwort. Mein Klient hat diese Schleife in zwei Wochen verinnerlicht. Seine Frau hat es als erstes bemerkt.
3. Ruhig vor Publikum sprechen
Eine Klientin wollte vor 200 Menschen sprechen, ohne den üblichen Adrenalinschub. Ihr Vorbild war eine bekannte Moderatorin. Deren innere Strategie: Ve (sie schaut sich die Menschen einzeln an, fixiert sich auf Gesichter) → K (spürt eigene Füße auf dem Boden) → Ad („Die wollen, dass ich gut bin“) → Atem. Diese Schleife kann sich jeder antrainieren – und sie wirkt nicht wie eine Maske, sondern wie eine Brücke zum eigenen Repertoire.
Der New Behaviour Generator: Modelling für hartnäckige Muster
Die 9 Schritte oben eignen sich, wenn du eine neue Fähigkeit hinzugewinnen willst. Manchmal ist die Ausgangslage aber eine andere: Du hast ein konkretes eigenes Verhalten, mit dem du unzufrieden bist – und du willst es ersetzen. Dafür gibt es im NLP eine erweiterte Variante, das Master-Modelling Version II, oft auch New Behaviour Generator genannt. Der Unterschied: Du arbeitest hier bewusst mit Dissoziation, betrachtest dich also erst aus der Distanz, bevor du das neue Verhalten übernimmst.
Diese Reihenfolge ist kein Zufall. Wer ein unerwünschtes Muster verändern will, ist oft emotional mittendrin. Die dissoziierte „Kino“-Perspektive schafft Abstand – und Abstand schafft Veränderungsspielraum. Genau dieses Prinzip nutzt auch das Mentaltraining im NLP.
Unerwünschtes Verhalten benennen
Mit welchem eigenen Verhalten bist du unzufrieden? Identifiziere eine konkrete Situation – nicht „ich bin zu impulsiv“, sondern: „Wenn mein Chef mich unterbricht, werde ich patzig.“
Die Situation dissoziiert erleben
Geh innerlich ins Kino und schau dir die Situation auf der Leinwand an – als wärst du Zuschauer, nicht Hauptdarsteller. Du siehst dich selbst von außen handeln. Diese Distanz nimmt der Szene ihre emotionale Wucht.
Modell einführen – mit Öko-Check
Wer geht mit genau dieser Situation exzellent um? Wähle ein Modell – und prüfe ehrlich: Hättest du theoretisch dieselben Voraussetzungen? Ein Beispiel aus den Handbüchern: Wer schmal gebaut ist und ein Klavier transportieren will, sollte nicht einen Bodybuilder modeln, sondern jemanden, der charmant und erfolgreich um Hilfe bitten kann. Das Modell muss zu deinen Ressourcen passen.
Den Modell-Film ansehen
Lässt dein Modell dieselbe Situation im Kinofilm durchspielen. Sieh und höre von außen genau, wie es sich verhält – in genau dem Kontext, in dem du bisher scheiterst.
Dich selbst mit dem neuen Verhalten sehen
Jetzt tauschst du das Modell gegen dich selbst aus: Du siehst und hörst dich – noch immer dissoziiert – mit dem neuen Verhalten. Wenn das schwerfällt, hilft der „Lenor-Trick“: Stell dich zuerst als eine Art Schatten direkt neben das Modell, bevor du dich vollständig an seine Stelle setzt.
Mit Submodalitäten nachjustieren
Verfeinere den inneren Film, bis das Ergebnis dich wirklich überzeugt: Mach das Bild vielleicht heller, größer, die Stimme ruhiger. Diese feinen Qualitäten der Wahrnehmung sind das Stellrad, an dem du drehst.
Assoziieren, Öko-Check, Future Pace
Erst jetzt steigst du in das Bild ein und fühlst dich selbst mit dem neuen Verhalten. Danach zwei Sicherungen: der Öko-Check (Gibt es einen Teil in dir, der etwas dagegen hat? Was ist seine positive Absicht?) und der Future Pace – du testest in Gedanken die nächste reale Situation, in der du das neue Verhalten brauchst.
Wann welche Variante? Nutze die 9 Schritte, wenn du eine Fähigkeit dazugewinnen willst. Nutze den New Behaviour Generator, wenn du ein bestehendes Muster ersetzen willst – besonders, wenn es emotional aufgeladen ist. Bei tief sitzenden Mustern lohnt sich der Blick auf ihre gute Absicht: Der Artikel Selbstsabotage überwinden zeigt, warum auch störende Verhaltensweisen fast immer etwas Schützendes wollen.
Ein lebendes Vorbild im Gespräch modellen: die Fähigkeitenbörse
Bisher hast du dein Vorbild in der Vorstellung modelliert. Es geht aber auch direkter – wenn du Zugang zu einem echten Menschen hast, der eine Fähigkeit exzellent beherrscht. Im NLP heißt dieses Vorgehen scherzhaft „Fähigkeitenbörse“: Ein „Genie“ und mehrere Interviewer arbeiten zusammen, um dessen innere Strategie zu entschlüsseln.
Der Clou liegt in der Art der Fragen. Die meisten Menschen können ihr eigenes Erfolgsrezept nämlich nicht benennen – „Ich kann halt gut mit Menschen“ hilft niemandem weiter. Erst wenn du nach der inneren Abfolge fragst, wird die Strategie sichtbar. Zwei Spuren verraten sie: die Sinneskanäle in der Sprache und die Augenbewegungen während des Erzählens.
So läuft ein Modelling-Interview ab
Setze das „Genie“ so, dass alle die Augenbewegungen sehen. Eine Person notiert die Strategie-Stationen mit, die anderen fragen abwechselnd.
Die Strategie Schritt für Schritt freilegen
- Bitte um eine konkrete Situation, in der die Fähigkeit typischerweise stark ausgeprägt ist.
- „Erzähl genau und in der richtigen Reihenfolge, was du tust und was dabei in dir vorgeht.“
- Sucht gemeinsam den Beginn der Fähigkeit – meist liegt er früher, als das Vorbild selbst annimmt.
- Fragt nach den Sinnesqualitäten an jeder Station: „Was siehst, hörst, spürst du – und was sagst du dir innerlich, kurz bevor du das tust?“
- Bringt die Modalitätenkette nach mehreren Durchgängen in eine nachvollziehbare Reihenfolge.
- Wer die Fähigkeit übernehmen möchte, spielt die Strategie innerlich nach – und macht einen Future Pace.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Teilnehmer wollte die Fähigkeit „geduldig mit anderen umgehen“ modellen. Das Vorbild beschrieb seine Strategie so: Es sieht zuerst den angespannten Gesichtsausdruck des Gegenübers (Ve), spürt kurz die Anspannung (K) und beginnt dann, mit einer beruhigenden Stimme zu sich selbst zu sprechen (Ad) – das beruhigt nicht nur, sondern bereitet zugleich die passenden Worte vor. Genau diese Art von innerem Dialog ist auch der Hebel, wenn du deinen inneren Kritiker umstimmen willst.
Was dabei sichtbar wird, ist eine T.O.T.E.-Schleife in Reinform: Das Vorbild testet am Gesicht des anderen, ob die Anspannung nachlässt, handelt (Operate), testet erneut – und steigt aus, sobald es entspannte Züge erkennt. Die körperliche Haltung ist dabei kein Beiwerk, sondern Teil der Strategie: tief atmen, aufrecht bleiben, ruhig sprechen.
Wo Modelling im Coaching besonders nützt
In meiner Arbeit nutze ich Modelling immer dann, wenn jemand eine Fähigkeit haben möchte, von der er denkt, sie sei ihm nicht gegeben. Bei Unternehmern sind das oft Auftritts-Themen, Führungssituationen, Verhandlungen, Konfliktgespräche. Bei Privatpersonen Beziehungs-Skills, Geduld mit Kindern, Klarheit in der Kommunikation, Gelassenheit im Umgang mit Eltern.
Modelling lässt sich gut mit anderen NLP-Methoden kombinieren. Mit Submodalitäten, weil die Strategien deines Vorbilds aus genau solchen Bild-, Klang- und Körperqualitäten bestehen. Mit den Wahrnehmungspositionen, weil du dich beim Modelling bewusst in eine andere Position begibst. Mit der Walt-Disney-Strategie, die selbst eine Modelling-Anwendung ist (Robert Dilts hat Disneys Strategie aus Filmen und Notizen rekonstruiert).
Eine wichtige Frage, die im Modelling oft erst spät auftaucht: Was hättest du davon, wenn du diese Fähigkeit hättest? Und was würdest du verlieren? Das ist keine Bremse, sondern eine ehrliche Prüfung. Manchmal will ein Mensch nicht wirklich, was er zu wollen glaubt. Dafür ist auch der Artikel Erfolg vs. Gelingen hilfreich – er kontextualisiert, was wir uns abschauen sollten.
Häufige Stolpersteine
Modelling klingt einfach, hat aber drei klassische Fallstricke. Wenn du sie kennst, ersparst du dir Frust:
- Du wählst ein Vorbild, das du gar nicht wirklich verstehst. Manche Menschen wollen Steve Jobs modellen – haben aber außer ein paar Keynotes nichts gesehen. Das ist zu wenig. Nimm jemanden, dessen inneren Prozess du dir mit etwas Beobachtung klar vorstellen kannst.
- Du arbeitest zu sehr am Verhalten, zu wenig an der inneren Strategie. Die Frage ist nicht: „Was tut sie?“, sondern: „Was passiert in ihr, kurz bevor sie das tut?“
- Du nimmst zu viel mit. Ein bis zwei Anker reichen. Wer alles übernehmen will, übernimmt nichts. Konzentrier dich auf das, was wirklich neu ist.
Wenn du dir bei einem Modelling-Projekt unsicher bist, lohnt sich ein begleitendes Coaching. Ich arbeite hier oft mit dem Hintergrund aus Systemischem Arbeiten – weil Fähigkeiten nie nur Einzelfähigkeiten sind, sondern immer auch zu unseren Familien-, Team- und Lebenssystemen passen müssen. Eine Führungs-Strategie, die du modelst, soll ja in deine Welt passen, nicht in die deines Vorbilds.
Modelling und der eigene Stil
Eine schöne Beobachtung am Schluss: Wer mit Modelling arbeitet, wird nicht uniformer, sondern klarer. Du fängst irgendwann an, mehrere Vorbilder zu integrieren. Du nimmst dir einen Anker von der einen Person, einen von der anderen, einen von einer dritten. Was entsteht, ist nicht die Summe der Vorbilder – sondern du, mit erweitertem Repertoire.
Das Schöne daran: Du hörst auf, dich selbst für Defizite zu kritisieren. Du verstehst, dass jede Fähigkeit, die du an anderen siehst, auch in dir Anschluss findet – sonst könntest du sie gar nicht erkennen. Modelling ist also nicht nur ein Werkzeug für mehr Können. Es ist auch ein Weg, freundlicher mit dir selbst zu werden.
Mehr Coaching-Werkzeuge findest du in der Übersicht NLP im Alltag. Für das Auflösen emotionaler Blockaden, die das Modelling oft begleiten, hilft das wingwave-Coaching.
Fazit: Du musst niemand sein, den du nicht bist
Modelling ist die Antwort auf eine alte, frustrierende Frage: Warum kann ich das nicht, was andere können? Die Antwort lautet: Weil du die innere Strategie noch nicht kennst, die hinter dem Verhalten steht. Wenn du sie kennenlernst, übernimmst du nicht das Verhalten – du übernimmst die Logik. Und alles andere kommt dann von dir.
Du wirst nicht eine Kopie deines Vorbilds. Du wirst eine erweiterte Version deiner selbst. Mit ein paar neuen Schritten in der inneren Choreografie. Mit einer T.O.T.E.-Schleife mehr in deinem Repertoire. Mit der Erkenntnis, dass Talente lernbar sind – wenn man weiß, wo man hinschauen muss.
Such dir heute einen Menschen aus, dessen Fähigkeit du dir wünschst. Beobachte ihn nicht von außen. Frag dich: Was sieht, hört, spürt er innerlich, bevor er das tut? Du wirst überrascht sein, wie viel du schon allein dadurch veränderst.
Häufige Fragen zum Modelling
Was ist Modelling im NLP?
Modelling ist der Prozess, bei dem du die innere Strategie eines Vorbilds dekodierst – die Abfolge an Bildern, Tönen und Empfindungen, mit denen es eine bestimmte Fähigkeit ausführt. Du übernimmst nicht das Aussehen oder die Worte, sondern die innere Choreografie.
Worin unterscheidet sich Modelling von Imitation?
Imitation kopiert das Verhalten an der Oberfläche – Gesten, Worte, Kleidung. Modelling geht eine Ebene tiefer und sucht nach der inneren Logik dahinter: Wie sieht, hört und fühlt das Vorbild die Situation? Erst wenn du diese Strategie verinnerlicht hast, wirkst du nicht aufgesetzt, sondern authentisch.
Kann ich auch von Film-Figuren oder historischen Personen modeln?
Ja. Wichtig ist nicht, ob du die Person live treffen kannst, sondern ob du eine klare Vorstellung ihrer inneren Strategie aufbauen kannst. Beobachtbar ist alles, was du dir lebhaft vorstellen kannst – auch Humphrey Bogart, Marie Curie oder eine fiktive Figur.
Was ist das T.O.T.E.-Modell?
T.O.T.E. steht für Test – Operate – Test – Exit. Es beschreibt die innere Feedback-Schleife, mit der unser Gehirn Strategien ausführt: Du prüfst, ob das Ergebnis stimmt, tust etwas, prüfst erneut und steigst aus, wenn das Ziel erreicht ist. Beim Modelling versuchst du, genau diese Schleife eines Vorbilds zu rekonstruieren.
Wie lange dauert es, eine Fähigkeit per Modelling zu übernehmen?
Bei einer klaren, eng umrissenen Fähigkeit oft sehr schnell – manchmal in einer einzigen Coaching-Session. Bei komplexeren Fähigkeiten ist Modelling der Anfang, kein Endpunkt: Du hast danach einen Anker, an dem du im Alltag immer wieder andocken kannst, um zu üben.
Wer hat Modelling erfunden?
Modelling ist der Ursprung des NLP. Die beiden Begründer Richard Bandler und John Grinder haben in den 1970er Jahren die Vorgehensweise von drei außergewöhnlichen Therapeuten – Virginia Satir, Fritz Perls und Milton Erickson – untersucht und deren innere Strukturen rekonstruiert. Robert Dilts hat den Modelling-Prozess später systematisiert und auf Persönlichkeiten wie Walt Disney und Albert Einstein angewendet.
Modelling oder Modeling – was ist richtig?
Beide Schreibweisen meinen dasselbe. Im deutschsprachigen NLP hat sich meist die Schreibweise mit Doppel-l durchgesetzt (Modelling), während die englische Originalliteratur – etwa Robert Dilts’ Buch „Modeling with NLP“ – oft mit einem l geschrieben wird. Inhaltlich gibt es keinen Unterschied: Gemeint ist immer das Dekodieren und Übertragen innerer Erfolgsstrategien.
Was ist der New Behaviour Generator?
Der New Behaviour Generator ist eine erweiterte Modelling-Technik (Master-Modelling Version II) für Situationen, in denen du ein eigenes, unerwünschtes Verhalten ändern möchtest. Du erlebst die Situation zunächst dissoziiert wie im Kino, setzt ein exzellentes Modell ein, siehst dich dann selbst mit dem neuen Verhalten und assoziierst dich erst am Ende damit. Ein Ökologie-Check und ein Future Pace sichern das Ergebnis ab.
Welches Vorbild würdest du gerne in dir wachrufen?
In einem kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, welche Fähigkeit du dir wünschst – und wer dir den Schlüssel dazu zeigen kann.
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